9. Oktober 2017

Erfolgreicher erster Feinstaubsensor-Workshop

Umweltschützer organisieren Workshops: Bürger messen Feinstaub


Mit dem herannahenden Winter,dem Betrieb von Heizungen, vermehrten luftaustauscharmen Wetterlagen und hoher Verkehrsbelastung nehmen wieder die Grenzwertüberschreitungen von gesundheitsgefährdenden Feinstaub zu. Am Samstagnachmittag war eine buntgemischte Gruppe von Menschen zusammenkommen, die es genau wissen wollen: Der Jüngste 11, der Älteste 86 Jahre alt,  25 Teilnehmer eines Workshops des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)  in der Schwäbisch Gmünder Wissenswerkstatt EULE  bauten Mess-Stationen für Feinstaub zusammen. Auch Vertreter von Schulen und Hochschulen waren gekommen, die dieses Projekt in Lehre und Unterricht einzubinden wollen.

Frank Riedel ist ein kreativer technischer Tüftler und Teil des OKLab Stuttgart, der wahrscheinlich auch einer Kaffeemaschine beibringen könnte, den Toast zum Frühstück zu machen. Vor rund zwei Jahren hat die Gruppe in der Feinstaubmetropole  einen selbstgebauten preiswerten Feinstaubsensor präsentiert. Frank Riedel und seine Mitstreiter hat geärgert, das in der Großstadt Stuttgart nur vier staatliche Stationen aufgestellt sind und die Bürger keine Informationen zur großräumigen Belastung haben. Aus dem Projekt ist inzwischen eine Bewegung geworden: Heute gibt es in der Landeshauptstadt über 400 von Bürgern betriebene Stationen, weltweit sind es über 2000. Auf einer im Internet abrufbaren Karte lassen sich die alle zweieinhalb Minuten aktualisierten Werte abrufen. Bei einer guten räumlichen Abdeckung lässt sich der Tagesgang der Feinstaubbelastung einer Kommune genau darstellen. Eine ganze Reihe universitärer Foschungsprojekete hat sich inzwischen daraus entwickelt, denn die Messgenauigkeit kann sich anerkanntermaßen mit der staatlicher Stationen vergleichen.

Nach dem einleitenden Vortrag von Frank Riedel zum Thema Feinstaub, den Folgen für die Gesundheit und der Technik der Meßstation geht es dann endlich los.    
Kernstück ist ein streichholzschachtelgroßer Kleincomputer wie er inzwischen massenhaft in vielen Geräten steckt, dazu kommt ein optischer Feinstaubdetektor aus einer Klimanlage sowie ein Temperatur und Luftfeuchtigkeitsmesser. Die Stuttgarter Hackergruppe hat eine eigene,freie Software für diese Komponenten entwickelt, die laufend verbessert wird. Das OKLab arbeitet zur Zeit daran, einen Sensor für Stickoxide zu konstruieren, der zusätzlich angeschlossen werden kann.
 
Die Aufgabe ist auch für Laien überschaubar: Am meisten Fingerspitzengefühl verlangt das Setzen von sieben Kabeln mit Steckverbindungen, die die Komponenten miteinander verbinden. Dann wird noch ein durchsichtiges Schlauchstück angeklemmt. Kabelbinder fixieren die Bauteile - das Ganze wird  in ein Wetterschutzgehäuse aus zwei Abwasserrohrbögen gesteckt. Ein kleines Netzteil mit langem Flachbandkabel, das durch Tür- oder Fensterdichtungen geschoben wird, versorgt das Gerät mit Strom.
Dennis Urban, der in Aalen bereits eine Meßstation betreibt, unterstützt die an vier Tischen arbeitenden Kleingruppen bis alle ihre Aufgabe erfolgreich gemeistert haben.

In den nächsten Tagen müssen die Feinstaubsensoren nun ihren Platz an Außenwänden, Balkonen und Dächern finden und in das heimische WLAN Netzwerk eingebunden werden, um ihre Messwerte in die Datenbank des OKLab Stuttgart zu schicken, wo sie gespeichert und grafisch aufbereitet werden.

Der nächste Workshop mit Frank Riedel findet am kommenden Samstag den 14.Oktober  um 14.30 Uhr im Aalener Um-Welthaus, Gmünder Str. 9 statt. Für Kurzentschlossene gibt es noch Bausätze zum Preis von 40 Euro, die Teilnahmegebühr beträgt 10 Euro. Kontakt BUND Tel: 07361 5559773
Informationen zum Feinstaubsensorprojekt und Karte der Sensoren im Internet www.luftdaten.info



Bild: Frank Riedel mit Workshopteilnehmern in der Gmünder EULE







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