Steckbrief


Wildkatze

Hauskatze

Fell

grau mit cremegelbem bis ockerfarbigem
Ton, weißer Kehlfleck, verwischte Zeichnung
mit dunklem Aalstrich

glänzend, verschiedene Graufärbungen,
meist kräftig durchgezeichnet

Körperbau

wirkt plump
(wegen langer Haare und dicker Läufe)

wirkt schlank
(wegen kurzer Haare und dünner Läufe)

Kopfform

wuchtig, breite Schnauze

zart, schlanke Schnauze

Nase

hell fleischfarben

meist dunkler fleischfarben

Ohren

wirken klein, da das Kopfhaar länger ist

wirken groß, da das Kopfhaar kürzer ist

Schnurr- und Tasthaare

weiß, kräftig ausgebildet

schwächer ausgebildet, zuweilen hornfarbig

Schwanz

endet stumpf, ist sehr buschig,
über 50 Prozent der Körperlänge,
deutlich dunkel abgesetzte Ringe in der
hinteren Hälfte, schwarze Spitze

Kurzhaarig, endet spitz,
bis 50 Prozent der Körperlänge,
helle Felder, silbergrau gefärbt, meist nicht
so scharf abgesetzt

Verhalten

vorsichtig, scheu, störungsempfindlich,
ständig fluchtbereit, menschenfern

zutraulich, menschennah

Feinde

Luchs, Wolf, (Uhu), Mensch,
für unbewachte, nesthockende Jungtiere
auch: Fuchs, Baummarder und Hermelin

Luchs, Wolf, (Uhu), Mensch

Würfe pro Jahr

ein, selten zwei,
Hauptranzzeit: Februar/März,
Hauptwurfzeit: Mitte April und Mitte Mai

mindestens zwei,
ganzjährig paarungsbereit

Junge pro Wurf

zwei bis vier

vier bis sechs

Abstammung

lebte schon vor mehr als 300.000 Jahren
in Europa (Felis s. silvestris)

von Afrikanische Falbkatze (Felis s. lybica)
aus dem östlichen Mittelmeerraum, mit
Römern nach Mitteleuropa gekommen


Keine Angst vor Wildkatzen!

Für Carl-Heinz Rieger, den Ortsvorsitzenden des Bundes für Umwelt und
Naturschutz in Aalen besteht kein Zweifel: „Ganz klar profitieren auch die Menschen“, versichert er. Sie könnten einen Wald erleben, der als Erlebnis- und Naturraum noch intakt ist.

Eine Umwelt, die noch in Ordnung ist – auch, weil Wildkatzen und in deren Nachfolge irgendwann auch Luchse und Wölfe als „Polizei im Wald“ wirkten, der vor allem kranke Tiere zum Opfer fielen.

„Menschen brauchen keine Angst haben“, versichert Rieger. Es sei in den letzten 100 Jahren kein einziger Fall nachgewiesen, bei dem ein solches Wildtier einem Menschen Schaden zugefügt habe. Wildkatzen erbeuteten ohnehin hauptsächlich Mäuse, kranke Vögel, manchmal auch Frösche und Lurche. Luchs oder Wolf könnten allenfalls für Schäfer zum Problem werden. „In den meisten Bundesländern ist das so geregelt, dass im Schadensfall der Staat zahlt“, macht Rieger deutlich. Außerdem liefen in Mecklenburg-Vorpommern derzeit Versuche mit Hütehunden, die jeden Wolf in die Flucht schlügen.

Rieger glaubt auch, dass niemand ein Überhandnehmen der Wildtiere fürchten müsse: „Die verteidigen ihr Refugium. Sogar Jungtiere müssen auswandern. Außerdem ist die Sterblichkeit sehr hoch und der Straßenverkehr dezimiert die Bestände erheblich.“
Deshalb muss sich nach Ansicht des Naturschützers im Gegenteil einiges verändern, wenn man die Wildtiere auf Dauer in der Region halten will: Wälder müssten naturnah bewirtschaftet werden, mehr Totholz müsste liegen bleiben, mehr natürliche Verjüngung und naturnahe Waldränder zugelassen werden. „Leider führt der zunehmende Holzbedarf derzeit zu einer gegenläufigen Entwicklung in der Forstwirtschaft. Es wird mehr und gründlicher Holz entnommen – Reste, die früher Deckung bieten konnten, als Material für Hackschnitzel, Pellets und Holzfaserplatten verwertet“, bedauert Rieger und hofft, dass die rot-grüne Landesregierung ihr Versprechen wahrmacht und die naturnahen Waldflächen von bislang zwei auf zehn Prozent ausdehnt.

Ein Umdenken wünscht Rieger sich auch von den Landwirten. Die sollten nicht bis dicht an die Waldränder Mais anbauen, weil das Wild sonst die meiste Zeit des Jahres dort keine Deckung findet. Außerdem solle wenigstes das Abspritzen der Feldwegränder mit Pflanzenschutzmitteln vermieden werden. Ein Mitdenken erhofft sich der Naturschützer von den Jägern. Die müssten ihren Blick schulen, um Katze und Wildkatze sicher unterscheiden zu können. Und, wenn überhaupt, nur Lebendfallen einsetzen. „Am besten aber gar keine.“ Sehr gerne nimmt Rieger wahr, dass jüngere Jäger die Wildtiere nicht als Konkurrenten empfinden, sondern als Unterstützer bei der Gesunderhaltung des Tierbestandes im Wald.

Wichtig findet der Umweltexperte, dass außerdem alle Menschen, die den Wald als Erholungsraum nutzen, Rücksicht auf Wildtiere nehmen. Damit sie keinen Schaden anrichten, sollten alle – besonders Mountainbiker - auf den Wegen bleiben, wünscht er sich. Motocross- und Quadfahrzeuge hätten im Wald nichts zu suchen, so Rieger.

Sehr gelassen reagiert die Jägerschaft auf das Wiederauftreten der Wildkatze. „Grundsätzlich finde ich es richtig, wenn es wieder Wildkatzen gibt“, sagt Kreisjägermeister Hans König. Diese Tiere gehörten zur heimischen Natur und richteten im Grunde keinen großen Schaden an. Anders wäre das, wenn die Wildkatzen überhand nähmen – weil eben auch Bodenbrüter oder junge Hasen zur Beute der getigerten Jäger zählten. Sollten die Wildkatzenbestände wachsen und es – ähnlich wie beim Biber – deshalb Auswirkungen auf andere bedrohte Arten geben, müsse das Thema offen diskutiert werden. Eine solche Gefahr sieht König aktuell aber nicht.

Überhaupt gehe die Jägerschaft heute viel sensibler um mit dem Thema Jagdrecht: Wildernde Katzen oder Hunde werden – obwohl es erlaubt ist – nicht mehr sofort erlegt. Ethisch und moralisch gebe es da ein Umdenken, betont König. Oft werden die Tiere gefangen. Bei wildernden Hunden zum Beispiel werde die Gemeinde eingeschaltet. Leinenzwang, Maulkorb oder Zwingerpflicht seien dann Maßnahmen, mit denen solche Probleme bekämpft werden.

Während die Wiederkehr der Wildkatze in der Landwirtschaft noch kein Thema ist, wie Ostalb-Amtsleiter Dr. Hans Börner betont, setzt sich der Forst längst damit auseinander. „Wir freuen uns über die Bereicherung der Tierwelt. Dass eine Art zurückkehrt, die früher hier mal heimisch war, steigert die Attraktivität des Lebensraums Wald“, betont Ulrich Leger, Sachgebietsleiter im Ostalb-Forstamt. Er ist überzeugt, dass die intensivere Nutzung des Waldes noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass es keine Verstecke mehr gibt. Ausgeräumt werde der Wald nur punktuell. Für Ausgleich sorgten zum Beispiel aufgerichtete Wurzelstöcke oder abgebrochene Stämme.



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