Mai 2026: Untersuchung des Rombachs in Aalen
Quelle: Christopher Weth - BUND Aalen
Schon seit einigen Jahren nehmen Aktive des BUND-Ortsverbandes Aalen am Citizen-Science-Projekt FLOW teil. Verstärkt von Schülern und weiteren Freiwilligen wird dabei an einem Tag im Mai der Zustand eines Baches unter die Lupe genommen. In diesem Jahr war am Samstag dem 9.5. ein 100m-Abschnitt des Rombachs dran - direkt nördlich vom Tunnelausgang.
Ab 9:30 Uhr wurden Tische, Bänke und Geräte für die Untersuchungen – und Verpflegung – aufgebaut, und die Teilnehmer – in diesem Jahr neben BUND-Aktiven auch vier motivierte Schüler des THG aus der elften Jahrgangsstufe – begrüßt und der Ablauf durchgesprochen.
Dann ging es auch gleich los: Die Chemie-Gruppe untersuchte die Belastung des Wassers durch verschiedene Stoffe wie Nitrat, Nitrit, oder Phosphat. Dazu wurden noch der Sauerstoffgehalt, pH-Wert, Temperatur und Fließgeschwindigkeit bestimmt. Letzteres war gar nicht so einfach, weil sich der Korken, der für die Messung benutzt wurde, im ersten Durchlauf am Ufer verhedderte, und überhaupt der Bach durch die Aufstauung durch den Biber einige hundert Meter weiter unten so langsam floss, dass die 10 Meter Strecke zur Geduldsprobe wurden.
Nachdem die zehn 10m-Abschnitte am Bach abgesteckt waren, legten auch die anderen zwei Teams los: Rainer Hauswurz startete mit zwei weiteren Helfern mit der Strukturanalyse, bei der beispielsweise Längs- und Querprofil des Baches und dessen Umfeld untersucht wurden: Ist er schnurgerade oder kann er frei Mäander bilden? Sind Strömung, Breite und Untergrund überall gleich, oder bieten sie abwechslungsreiche Strukturen? Wie sieht das Umfeld aus? In diesem Fall waren es vor allem von Brennnesseln dominiert, was eine sehr unangenehme Kombination mit den kurzen Hosen eines Teilnehmers war. Zum Glück konnte ihm mit einer Regenhose zum Überziehen geholfen werden. Nebenbei entdeckte man allerhand interessantes am Rand, etwa schwarze Köcherfliegen, Raupen des Kleinen Fuchses und leider auch einige kaputte Glasflaschen.
Die Aufgabe der dritten Gruppe war es, die wirbellosen Bewohner des Baches zu untersuchen. Dazu wurde unter der Anleitung von Hanspeter Pfeiffer an 20 Stellen gekeschert, und der Fang anschließend von allen Teilnehmenden aussortiert und bestimmt. Geschützte Arten wie der versehentlich mit in den Kescher geratene Stichling oder die die Bachmuscheln (FFH-Anhangsart, Rote Liste Deutschland Stufe 1 – vom Aussterben bedroht!) kamen als erstes dran und wurden so schnell wie möglich wieder ins Wasser zurückgebracht. Danach versuchten sich Schüler und Expert(inn)en an Egeln, Flohkrebsen, Schnecken, Wasserkäfern und -asseln, und schließlich an den pestizidempfindlichen Eintags- und Köcherfliegenlarven. Die Tiere wurden von Christopher Weth fotografisch dokumentiert und im späteren Verlauf des Wochenendes die Protokolle in die Projektdatenbank beim federführenden Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig eingepflegt, wo die Daten der etwa 80 deutschlandweit teilnehmenden Gruppen zusammenlaufen.
Nach etwa vier Stunden war dann alles erledigt: Daten waren erfasst, die Tierchen wieder ins Wasser gesetzt und Mittagessen und Kaffee mit viel Lob an die Köchin verzehrt worden. Bei optimalen Wetter hat die Aktion allen Spaß gemacht, und alle hatten viel über unsere Gewässer, deren Zustand und deren Bewohner gelernt und neue Erfahrungen gemacht: Wann hat man sonst Gelegenheit, unterm Mikroskop die Augen eines Egels oder die Beine anderer Tierchen zu zählen, selbstverantwortlich mit dem Chemiekoffer zu arbeiten, und dabei ungezwungen noch etwas über andere Projekte in der lokalen Naturschutzarbeit zu erfahren?
Ergebnisse
Was den Rombach angeht, war der Eindruck zunächst überraschend positiv: Schon dass sich dort Biber und die oben genannten geschützten Arten wohlfühlen ist eine gute Nachricht. Aber er hat auch trotz diverser Einleitungen und landwirtschaftlich geprägtem Umfeld im darüberliegenden Teil eine viel bessere Wasserqualität als erwartet – zumindest an diesem Tag, denn die Chemieuntersuchung ist immer eine Punktmessung: Lediglich für Phosphat wurden leicht erhöhte Werte nachgewiesen. Ursachen dafür können Abwassereinleitungen oder Düngemittel sein. Und auch die Gewässerstruktur erwies sich im großen und ganzen als relativ naturnah – lediglich die etwas eintönige Uferstruktur und die Vegetation aus hauptsächlich Brennesseln und Mädesüß ließen etwas zu wünschen übrig.
Das Bild wurde jedoch von der Makrozoobenthos-Auswertung getrübt: Es wurden nur wenige empfindliche Arten gefunden („species at risk“, siehe Poster), das Gesamturteil in dieser Kategorie ist „unbefriedigend“. Eine wahrscheinliche Ursache sind Pestizide aus der Landwirtschaft im Oberlauf, die bei Regen oder auch direkt bei der Anwendung in das Wasser gelangen können. Durch z.B. einen breiteren Uferstreifen in diesem Bereich, der einerseits den Abstand zu den Äckern vergrößert und andererseits Stoffe zurückhalten kann, könnte der Zustand möglicherweise verbessert werden.