Stadtbäume in Gefahr

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor einem stetigen Rückgang von Bäumen im Stadtbild der Kommunen und damit vor einem Verlust von Lebensqualität. Stadtbäume geniessen immer weniger Respekt, ihre Lebensgrundlagen  verschlechtern sich stetig. Mutwillige oder beiläufige Schädigungen sowie der Klimawandel geben vielen Bäumen den Rest.

Ein100-jähriger Baum produziert während seines Wachstums täglich rund 7.000 Liter Sauerstoff. Um die gleiche Sauerstoffmenge erzeugen zu können, bräuchte man über 1.000 Jungbäume. Gleichzeitig sind Bäume wahre Klima-Kraftwerke, die  Keime und Schadstoffe ausfiltern,  die Luft angefeuchten und Schatten spenden.Im Totholz alter Bäume leben viele gefährdete Tierarten.
Inzwischen werden viele Bäume noch nicht einmal 60 Jahre alt, bevor sie ersetzt werden müssen. Heimische Linden, Eschen und Eichen müssen zunehmend kleinwüchsigeren, oft fremdländischen Gehölzen weichen.


Bäume raus

Eine Blick auf historische Stadtansichten zeigt: Der Baumbestand im Kern der historischen Innenstädte wird sukzessive entfernt, um mehr Platz für Märkte, Veranstaltungen und Lieferverkehr zu haben und aufwändige Schutz- und Unterhaltungsmaßnahmen zu vermeiden.  

Rücksichtlose Baumaßnahmen

Bei der Verlegung von Leitungen, Straßenausbau oder Sanierung werden Baumwurzeln fahrlässig oder mutwillig von Baufirmen trotz gegenteiliger Auflagen geschädigt, was mittelfristig zum Absterben führt. Bei Fahrbahnverbreiterungen wird das Asphaltband bis wenige Zentimeter vor den Stamm geschoben. Obwohl bei einer Ersatzpflanzung Kosten in Höhe von mehr als tausend Euro je Baum entstehen können, werden die Verursacher nur in seltenen Fällen haftbar gemacht.

Klimastress

Die zunehmenden Phase von Hitze und Trockenheit  setzen Bäumen in der Stadt zu, zumal wenn sie in einer fast vollständig versiegelten Umgebung stehen. Wenn die Kommune mit dem Bewässern nicht hinterherkommt, sollten die Bewohner der Nachbarschaft selbst aktiv werden. Gerade junge Bäume brauchen in den ersten Jahren viel Wasser.

Schädlingsbefall

Geschwächte und beeinträchtigte Stadtbäume sind besonders anfällig für Pilzbefall (z.B. Eschentriebsterben) oder im Zuge der Klimaerwärmung einwandernde Schädlinge (Eichenprozessionsspinner, Kastanien-Miniermotte).
Kommunen scheuen oft die damit verbundenen hohen Pflegekosten.    

Todesurteil Standsicherheit

Die Kommunen müssen durch regelmäßige Begutachtung  die Standsicherheit von Bäumen entlang von Straßen und in Grünanlagen überprüfen, dies sind oftmals mehrere tausend Einzelbäume. Die Erhaltung von ökologisch wertvollen Altbäumen mit Bruthöhlen kann besonders kostenaufwändig werden. In der Abwägung wird immer häufiger gegen die Erhaltung entschieden, so der BUND.    

Parkende Autos

Viele Straßenbäume weisen Verletzungen der Rinde durch parkende Autos auf, die ein dann Einfallstor für Pilzkrankheiten sind. Der unmittelbare Bereich sollte deshalb durch eine Einfassung geschützt werden, die auch eine Bodenverdichtung verhindert. Viele Kommunen begrüßen Anwohnerinitiativen zur Begrünung der Baumscheiben durch die Anwohner.

Streusalz und Hundeurin

Die Aufnahme von salzreichem Bodenwasser durch die Baumwurzeln senkt die Lebenserwartung erheblich, da der Transport von Nährstoffen behindert wird und für den Baum wichtige Bodenlebewesen absterben. Eine notwendige Revitalisierung betroffener Straßenbaumreihen im Frühjahr durch die Kommune unterbleibt oft aus Kostengründen. Der stetige Eintrag von Hundeurin hat ähnliche Folgen an besonders frequentierten Wegen.


Bäume in Privatgärten

Viele Bebauungspläne enthalten Festsetzungen, die die Pflanzung und dauerhafte Erhaltung eines Baumes durch den Eigentümer festlegen, um Eingriffe in den Naturhaushalt teilweise auszugleichen. Nach wenigen Jahrzehnten werden diese oft ersatzlos entfernt. Der Verstoß bleibt folgenlos, da keinerlei Kontrolle durch Kommunen  oder das Landratsamt erfolgt.  

Baumpaten

Bürger können selbst aktiv werden zum Schutz der Bäume in ihrer Nachbarschaft. Sie sollten sich dazu an das Grünflächenamt ihrer Gemeinde wenden. Der BUND rat: Machen Sie Vorschläge, wie Flächen entsiegelt, die Baumscheibe begrünt  und wie der Baum ggf. vor parkenden Autos geschützt werden kann. Melden Sie flächige Beschädigungen der Rinde möglicht umgehend. In längeren heißen oder trockenen Phasen sollten Straßenbäume mit zwei oder drei Gießkannen Wasser versorgt werden.



Kontakt

BUND Regionalgeschäftsstelle Ostwürttemberg
Gmünder Str.9
73430 Aalen
Telefon: 07361 555 9773

Schreiben Sie uns

Suche